Entwicklung BMW 700

Als man 1957 bei BMW mit der Entwicklung des BMW 700 begann, stand die heute so gesunde Automobilfirma kurz vor der Pleite. in einer Pressemitteilung über das Geschäftsjahr 1957 schrieb BMW:
" In den Monaten Januar und Februar mußte nochmals kurzgearbeitet werden, um die Bestände an Fertigfabrikaten zu verflüssigen und die kurzfristigen Bankverbindlichkeiten abzubauen. Der Absatz entwickelte sich seit dem Frühjahr wieder befriedigend. Insbesondere fand das Isetta - Modell 1957 eine gute Aufnahme... das Motorradgeschäft verlief in dem durch die allgemeine Marktsituation verkleinerten Rahmen. Der Absatz der Wagen blieb bei relativ geringem Umfang konstant... da das lückenhafte Programm und die unzureichende Kapitalausstattung einer entscheidenden Verbesserung der Lage des Unternehmens im Wege standen, wurde eine Erweiterung des Produktionsprogramms in Angriff genommen... als erste Stufe des Produktionsausbaus wurde der Kleinwagen BMW 600 auf den Markt gebracht…"






Daß BMW seine Lage eher zu optimistisch in der Öffentlichkeit darzustellen versuchte, war wohl verständlich, konnte aber nicht über die Tatsache hinwegtrösten, daß die wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik einfach noch nicht so weit war, daß man nennenswerte Stückzahlen der großen Limousinen absetzen konnte. Man hat später errechnet, daß BMW bei jedem V8-Typ 4.000DM zugesetzt hat. Auch der gute Verkauf der Isetta konnte diese Verluste, zu der sich noch der schleppende Motorradverkauf hinzugesellte, nicht ausgleichen. Von der gerade anlaufenden Fertigung des BMW 600 versprach man sich eine grundlegende Besserung, doch der 600er wurde vom Publikum nicht angenommen. Das Publikum war nämlich schon eine Stufe weiter als die Kleinwagen, man wollte "richtige" Autos. So sollte in einer zweiten Stufe aus dem BMW 600 eben jenes Auto entwickelt werden, um die Lücke im Modellprogramm zwischen 19,5 PS und 95 PS, zwischen 2-Zylinder-Boxer und V8-Motor, zwischen 600 cm⊃3; und 2600 cm⊃3; und vor allem zwischen 3.980DM und
13.450DM zu schließen.


Schnellstmöglich sollte ein Mittelklassewagen entwickelt werden, der vier Personen mit Gepäck Platz bieten und vor allem wie ein richtiges Auto aussehen sollte. Das ganze sollte die dünne Kapitaldecke möglichst wenig strapazieren. Daher bot es sich an, die bewährten Antriebs- und Fahrwerkskomponenten des BMW 600 zu übernehmen, und so Zeit und Entwicklungskosten zu sparen. Somit entstand 1957 ein Prototyp auf 600er Basis, der Stilelemente des BMW 600 mit denen des BMW 503 verband und sogar die BMW-Niere an der Front besaß. Dieser doch recht seltsam dreinschauende Prototyp wurde Anfang 1958 jedoch verworfen. Zum Glück, wie man sagen muß, denn mit diesem Entwurf hatte man sich immer noch für keine Lösung zwischen Kleinwagen und V8-Limousine entscheiden können, sondern beides miteinander zu verschmelzen versucht.


Der Anstoß zu der Form, in der der BMW 700 später in Serie gehen sollte, kam kurioserweise nicht aus dem Werk in München, sondern vom österreichischen BMW-Importeur Wolfgang Denzel. Dieser hatte auf eigene Faust bei dem jungen italienischen Designer Giovanni Michelotti Entwürfe anfertigen lassen. Michelotti lieferte im Juli 1958 ganze Arbeit:
ein schnittiges, kleines 2+2 Coupé, dessen Form auch im Münchener Werk so gut ankam, daß es fast unverändert in Serie gehen sollte. Gleichzeitig hatte man aus dem Entwurf auch noch eine Limousine gemacht, die unterhalb der Dachpfosten mit dem Coupé völlig baugleich war und aufgrund des höheren und weiter nach hinten durchgezogenen Daches bei weitem mehr Innenraum hatte und somit ein echter Konkurrent für den Käfer werden konnte.
In Produktion ging dann aber doch erst das Coupé. Man wollte erst den Geschmack des Publikums testen, wozu das bildhübsche Coupé besser geeignet war. Außerdem sollte ermittelt werden, ob die Käufer auch bereit waren, den nicht gerade niedrigen Preis von 5.300DM zu bezahlen. Dieses Coupé war der erste BMW in Ponton-Bauweise und im Styling ganz dem Geschmack seiner Zeit entsprechend mit Heckflossenansätzen versehen.


Die ADAC Autowelt schrieb am 22.6.1959:
"Es war offensichtlich, daß BMW den BMW 600 nicht als Endstufe des Kleinwagenprogramms ansehen würde. Zur Gestaltung eines "kleinen Wagens" wurden daher bereits nebenher frühzeitig mannigfache Überlegungen und Untersuchungen angestellt, wie man modisches Bedürfnis, wirtschaftliche Herstellbarkeit und technische Vollendung in Einklang bringen könnte. Die Erfahrungen aus einer Reihe von Prototypen und zigtausenden von Versuchskilometern stellen sich nun im neuen BMW 700 Coupé dar."

Vier Monate nach Erscheinen des Coupé erschien dann auch die Limousine, das Publikum hatte den BMW 700 angenommen. Beide Modelle zeichneten sich durch hervorragende Straßenlage und gute Fahrleistungen aus. Erstere beruhten auf den in verbesserter Form vom BMW 600 übernommenen Fahrwerkselementen und letztere resultierten aus dem durchzugsstarken 30PS - Motor, den man mit vergrößertem Hubraum ebenfalls vom 600er übernahm. Gepaart mit einen Leergewicht von nur 640 kg entstand ein Fahrzeug, daß prädestiniert für den sportlichen Einsatz war, doch davon später mehr.

Der Verkauf des BMW 700 verlief sehr gut, die Limousine wurde in ihren 28 Monaten Bauzeit immerhin 55.707mal gebaut, so daß die 700er fleißig weiter entwickelt werden konnten.


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