Vorderachse Schwingarm überholen

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Lanzmann
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Vorderachse Schwingarm überholen

Beitrag von Lanzmann »

Hallo an die Isetta Gemeinde,
momentan bin ich bei der Restauration meiner Export an der Vorderachse dran.
Neue Buchsen für die Achsschenkel liegen schon parat, allerdings sind
die Schwingarme an dem 25er Ø schon ziemlich eingelaufen.
Meine Frage(n) nun:

reicht das wenn der Duchmesser nachgedreht wird, oder sollte dieser geschliffen werden ?
Denke das sollte auf einer Drehbank zwischen den Spitzen machbar sein.
Wieviel Spiel sollte zwischen den Buchsen im Achsschenkel und dem Schwingarm-Bolzen sein ?

bekommt man den 16er Bolzen (Teile Nr. 3/020) am Schwingarm ohne Zerstörung raus?

Danke schon mal für Eure Antworten !

Viele Grüße aus der Eifel und bleibt Gesund,

Otmar

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Ralf Heiligtag
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Re: Vorderachse Schwingarm überholen

Beitrag von Ralf Heiligtag »

Reicht es, wenn der Durchmesser nachgedreht wird, oder sollte dieser geschliffen werden?
Dieser Durchmesser sollte möglichst auf einer Rundschleifmaschine geschliffen werden, damit der Zapfen zylindrisch und die Rauhtiefe gering wird.
Denke das sollte auf einer Drehbank zwischen den Spitzen machbar sein.
Zylindrisch drehen sollte gelingen, wenn die Drehbank in Ordnung ist und der Reitstock keinen Mittenversatz hat. Die Rauheit einer nur gedrehten Oberfläche ist für ein Gleitlager zu groß. Nachfummeln mit um eine Flachfeile gewickeltem Schleifpapier ist möglich, aber mühsam. Diese Arbeitsweise ist der wünschenswerten zylindrischen Form nicht förderlich. Man kann das dennoch machen, wenn es - wie bei Hobbydingen üblich - auf den Zeitaufwand nicht ankommt. Häufig mit der Bügelmeßschraube an mehreren Stellen entlang des Zapfens messen, ob der Durchmesser nach der Bearbeitung über die gesamte Länge gleich ist.
Wieviel Spiel sollte zwischen den Buchsen im Achsschenkel und dem Schwingarm-Bolzen sein?
Dazu schweigt die Isetta-Reparaturanleitung. Die des 600 sagt nur etwas über die Gleitlagerung der Bremshalterstütze aus. Der Schwingarm ist ja bei 600 und 700 nadelgelagert, der Zapfen dort nach plus toleriert. Nehmen wir also die Werte der Bremshalterstütze als Anhaltspunkt her. Dann finden wir, dass BMW für deren Gleitlagerung 0,02 bis 0,06 mm Spiel spezifizierte, das sich aus der Kombination der Zapfentoleranz 22 -0,02 bis -0,04 mm und der Bohrungstoleranz 22H7 = 22 +0,02 mm ergibt. Das entspricht einer Spielpassung H7 / f7.

Weil im Nennmaßbereich zwischen 18 und 30 mm die ISO-Toleranzen gleich sind, können wir davon ausgehen, dass auch die Buchsen des Isetta-Schwingarms im eingepressten Zustand ab Werk auf Toleranzfeld H7, also auf 25H7 = 25 +0,02 mm bearbeitet waren. Bei den Lagerzapfen der Schwingarme dürfen wir nicht so kühn sein, einfach anzunehmen, dass auch sie analog zu den Bremshalterstützen mit 25 -0,02 bis -0,04 mm toleriert sind. Denn immerhin führen die Schwingarme die Vorderräder und nehmen die auf die Räder wirkenden Kräfte auf, so dass hier jegliches fühlbares Spiel von Übel ist. Dennoch misst ein neuer, unbenutzter Lagerzapfen an einem NOS-Isetta-Schwingarm – mit der Bügelmeßschraube gemessen – typischerweise drei bis vier Hundertstel Millimeter weniger als Nennmaß, liegt also zwischen 24,96 bis 24,97 mm. Das bedeutet, dass auch der Schwingarm bis zu 0,06 mm Spiel in seinen Gleitlagerbuchsen haben kann.

Mit Rücksicht auf die sowieso überforderten O-Ringe zur Abdichtung sollten wir uns bei einer solchen Einpassarbeit an der unteren Grenze orientieren, also nur ein geringes Spiel zwischen 0,02 und 0,03 mm erlauben. Schon bei einem neuen Zapfen – und bei einem nachbearbeiteten, im Durchmesser reduzierten sowieso - ist es notwendig, das Istmaß des Zapfens zu messen und die Buchsenbohrung mit einer verstellbaren HUNGER-Führungsreibahle nur so weit aufzureiben, dass sich ein Spiel von 0,02 bis 0,03 mm ergibt, also eines nahe an der unteren Toleranzgrenze.
20200901_101927.jpg
Der Lagerzapfen muss leichtgängig drehbar, aber ohne jegliches Wackelspiel sein. Zu prüfen ist das mit eingelegten Beilagescheiben und festgezogener Mutter, aber ohne eingelegten O-Ring.
Bekommt man den 16er Bolzen (Teile Nr. 3/020) am Schwingarm ohne Zerstörung raus?
Das habe ich bisher noch nie probiert, denke aber schon, dass das möglich ist. Am besten wohl unter einer hydraulischen Presse. Notfalls in einem großen Schraubstock mit beigelegtem Rohr, in dem der Kopf der eingepressten Schraube verschwinden kann.
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Lanzmann
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Re: Vorderachse Schwingarm überholen

Beitrag von Lanzmann »

Hallo Herr Heiligtag,
vielen Dank für die schnelle Antwort.

Dann werde ich mich jetzt auf die Suche nach einem Betrieb machen,
der mir die beiden Schwingarme nachschleifen kann.

Vorausgesetzt das die 16er Bolzen nicht allzuviel Wiederstand bei der Demontage leisten…
Werde darüber berichten.

Viele Grüße,
Otmar

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Ralf Heiligtag
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Re: Vorderachse Schwingarm überholen

Beitrag von Ralf Heiligtag »

Dann werde ich mich jetzt auf die Suche nach einem Betrieb machen,
der mir die beiden Schwingarme nachschleifen kann.
Decroupet in Sinzig sollte das können. http://decroupet.de/?page_id=220

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Lanzmann
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Re: Vorderachse Schwingarm überholen

Beitrag von Lanzmann »

Hallo zusammen,
hier nochmal ein kurzer Zwischenstand :

die 16er Bolzen (Teile Nr. 3/020) ließen sich nach Erwärmung der Schwingarme problemlos herauspressen !
Ralf Heiligtag hat geschrieben:
18. Nov 2020, 17:51
Decroupet in Sinzig sollte das können. http://decroupet.de/?page_id=220
Fa. Decroupet kann das aufgrund des Durchmessers leider nicht Schleifen (trotzdem Danke für den Tipp)

das kann aber die Fa. https://www.hpg-schleiftechnik.de/ in 64850 Schaafheim (vorher Darmstadt)
die Schwingarme sind jetzt unterwegs dahin. ( Danke an unseren Ersatzteilwart, von ihm bekam ich die Adresse )

Gruß an alle,
Otmar

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