(Berlin) Isetta startet nicht mehr

Fragen und Antworten rund um Motor, Getriebe und Kraftübertragung
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Norbert Schardt
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Re: (Berlin) Isetta startet nicht mehr

Beitrag von Norbert Schardt » 5. Jul 2018, 22:29

Hallo Gosbert

Quod erat demonstrandum - kurz mit meinem Großen Latinum angegeben, "Was zu beweisen war". Mit meiner natürlich skurrilen Frage habe ich beweisen wollen, dass Ralf auch zu diesem Thema fundiert und detailliert Auskunft geben kann. Und hoffe, dass er uns auch in Zukunft zu natürlich wichtigeren Dingen helfen wird. Gosbert, keine Sorge, diese Frage war ein Relikt aus der Zeit, als wir jemanden losschickten, eine Seelenachse zu besorgen, dem dann von einem ähnlich Gestrickten Kumpel eine Abschleppstange für LKW in die Hand gedrückt wurde. Es endete stets mit einer Runde Bier.
Norbert Schardt
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betterisetta
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Re: (Berlin) Isetta startet nicht mehr

Beitrag von betterisetta » 7. Jan 2019, 10:58

Hallo zusammen, und ein Gesundes Neues Jahr mit hoffentlich vielen sonnigen Oldtimerstunden!

Ich wollte meinen Thread noch einmal aufmachen, da ich immer noch dasselbe Problem habe mit der Drehzahl wie beschrieben:
1) Ohne Choke geht die Leerlaufdrehzahl öfters nicht mehr zurück, sodass ein leichtes Einkuppeln notwendig ist, um die Drehzahl wieder in den Normalbereich zu bekommen. Hier habe ich inzwischen ein paar Hinweise gefunden, dass dies mit der Feder im Gasschieber zusammenhängt/hängen könnte.
Da - vor allem, wenn der Motor richtig warmgefahren ist - das Phänomen seltener wird, könnte dies auch hier das Problem sein?

2) Der Motor läuft vor allem wenn er sich dann doch wieder in den Leerlauf eingependelt hat (oder dazu gebracht wurde), öfters unruhig, das heisst, er droht auszugehen, wenn man nicht mit etwas Gasgeben dagegen arbeitet.

Kann dies beides damit zu tun haben? Falls ja, welche Teile würdet Ihr dafür austauschen? Gesamten Vergaser? Feder? Nadel? Gasschieber?

Danke Euch!!!

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Ralf Heiligtag
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Re: (Berlin) Isetta startet nicht mehr

Beitrag von Ralf Heiligtag » 7. Jan 2019, 19:04

Hier wurde dasselbe Phänomen schon mal erörtert: viewtopic.php?f=1&t=3042&p=12843
Bitte dort lesen.

Ohne zu wissen, welche Vergaserausführung (welche Bedüsung, mit oder ohne Beschleunigungspumpe) eingebaut ist und in welchem Verschleißzustand der Vergaser ist, können aus der Ferne nur bedingt Ratschläge gegeben werden. Dennoch ist es nie verkehrt, folgende Neuteile eingebaut zu haben:

Neuer Gasschieber, der ohne fühlbares Wackelspiel ins Vergasergehäuse passt, damit zwischen Vergaserschieber und Gehäuse keine Falschluft von oben her eindringen und das Gemisch abmagern kann. Für sehr stark ausgeklapperte Gehäuse gibt es Übermaßschieber. Bevor die passen, muss das Gehäuse auf einer Dreh- oder Fräsmaschine ausgedreht werden. Dieser Aufwand ist nur bei sehr kranken Patienten nötig. Meist genügt ein neuer Schieber mit Originalmaß ("Nullmaß").

Neue Druckfeder (Rückholfeder) für den Gasschieber.

Neue Düsennadel, neuer Clip dazu und neue Nadeldüse gemäß Bestückungsliste in diesem Dokument ganz unten.
https://www.isetta-club.de/wikisetta/li ... rgaser.pdf

Neue Gummischeibe für das Startanfettungskölbchen.

Wenn dann noch ein paar Euronen im Börserl übrig sind:
Neuer Schwimmer (nicht billig, aber sinnvoll) und neue Schwimmernadel.

Die von BING euphemistisch "Beschleunigungspumpe" genannte Verbrauchserhöhungsvorrichtung würde ich, sofern vorhanden, hinauswerfen.

Aufgrund des geschilderten unwilligen Fallens auf Leerlaufdrehzahl ist ferner die ordnungsgemäße Funktion des Zündverstellers zu prüfen. Nicht selten erlahmen die Rückzugfedern für die Fliehgewichte, so dass der Fliehkraftregler bereits bei zu niedriger Drehzahl auf "früh" stellt. Oder die Federn sind zwar nicht erlahmt, aber irgendein Künstler hat mit seinen Fottknüppelsfingern daran herumgepfuscht und ihre Vorspannung verringert (jede Feder hat eine einstellbare, mit Schraubensicherungslack versehene Aufhängelasche). Oder zwischen der Nocke des Fliehkraftreglers und seiner Nabe hat sich Rost gebildet und / oder es mangelt dort an Schmierfett, so dass die Nocke sich auf der Nabe zu schwergängig dreht und beim Gaswegnehmen nicht ungehindert an ihren Spätanschlag zurückfedern kann. In allen drei Fällen ist die Folge, dass ein zu früher Zündzeitpunkt zur Drehzahlerhöhung bzw. zum unwilligen Abfallen der Drehzahl führt. Die Sollwerte des Zündzeitpunkts über der Drehzahl sind:

Grundeinstellung 7° vor OT bei Drehzahl Null bis 1700 U/min.
Von dort Verstellung nach früh um
4 bis 6° bei 1700 bis 2200 U/min,
14 bis 16° bei 2300 bis 2700 U/min,
24 bis 26° bei 3000 bis 3400 U/min,
33 bis 36° = gesamte Frühzündungsverstellung bei 4000 U/min und darüber.
Der Zündzeitpunkt im Frühanschlag soll also zwischen 33+7 = 40° und 36+7 = 43° vor OT liegen.
Wenn die Stroboskoplampe zum Anblitzen der Zündmarkierung eine Schließwinkelanzeige hat, stellt man den Kontaktabstand so ein, dass der Schließwinkel 200° = 55% beträgt.

So, dann mal los, es gibt genug zu tun.

Mit freundlichen Grüßen nach Berlin

RH

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Re: (Berlin) Isetta startet nicht mehr

Beitrag von Thomas M. » 7. Jan 2019, 21:50

Hallo,
schaue Dir das oben erwähnte Vergaser Sonderheft an und in die dortige Tabelle mit den Bestückungswerten (Düsen, Nadeln, Schwimmer 7g, usw.) für Deinen Vergaser. Wenn das dann Ok ist würde ich mit einer Düsenlehre den Ist-Zustand kontrollieren.
Wenn Du dann Zweifel dennoch ausräumen willst besorgst Du Dir halt neue „Vergaser- Verschleißteile“. Bin fast der Meinung, das dies und das intakte Cokeplättchen schon einiges bringen wird.
Erst dann die Zündung angehen so wie der Ralf das schon beschrieben hat.
Wollte auch mal was schreiben 😎
Viel Erfolg!
Gruß Thomas

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Re: (Berlin) Isetta startet nicht mehr

Beitrag von vonlinsenfeld » 25. Jul 2019, 21:34

Ich habe lange am Vergaser geschraubt und schon Bedenken, dass "tief" im Motor ein Problem steckt.
Habe dann eine neue NGK Kerze entdeckt - und jetzt läuft sie wieder. Hatte aber nicht vor zuviel KM (so etwa 4500) mal eine neue rein.
Wie schnell verbrennt eine Kerze denn in einem fleißigen 1-Zylinder? - wäre glaube ich eine Frage an Ralf #-o
----Ja ---- und jetzt steht sie schon wieder - Hauptbremszylinder weint #-o
Habe meine Süße ja nicht "nur" zum Fahren, sondern zum lernen - 60 Jahre alt und kein bißchen langweilig
Grüße aus dem Süden

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Ralf Heiligtag
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Re: (Berlin) Isetta startet nicht mehr

Beitrag von Ralf Heiligtag » 26. Jul 2019, 10:06

Wie schnell verbrennt eine Kerze denn in einem fleißigen 1-Zylinder?

In den 60er und 70er Jahren empfahl Bosch für konventionelle Viertaktmotoren eine Erneuerung der Zündkerzen alle 15.000 km. Diese Empfehlung galt für Standardkerzen mit einer Mittelelektrode aus Kupfer und einer hakenförmigen Masseelektrode. Zu dieser Zeit waren "Longlife"-Kerzen mit Mittelelektroden aus Platin oder Iridium und zwei oder drei Masseelektroden noch nicht handelsüblich.

Da die Kerze im Isettamotor doppelt so oft funkt wie nötig, nämlich wie ein Zweitakter bei jeder Kurbelwellenumdrehung einmal, könnte man auf die Idee kommen, sie verschleiße deshalb doppelt so schnell und verdiene eine Erneuerung alle 7500 km. Das würde ich als übervorsichtig ansehen. In einem gut in Schuss befindlichen Isettamotor sollte eine Zündkerze ohne weiteres 10.000 km halten.

Meiner persönlichen Erfahrung nach verschlissen die Zündkerzen deutlich rascher, als es noch verbleites Benzin gab. Auch waren die Ablagerungen an den Elektroden stärker. Mit der Einführung des bleifreien Benzins hat sich meinen Beobachtungen zufolge die Lebensdauer der Kerzen und auch die der Auspuffanlagen deutlich verlängert. Als Zeitzeugin befindet sich in meiner Garage eine BMW R 90/6 vom Baujahr 1973, die nach mehr als 100.000 km noch immer ihre erste Auspuffanlage hat - ohne Durchrostung und ohne losgeklapperte Innereien, nach nunmehr 46 Jahren. Übrigens wurde an diesem Motor kein einst propagierter Angstumbau auf "Ventilsitze für bleifreies Benzin" vorgenommen. Der Motor läuft völlig ohne Tadel, einzig brutales Gasaufreißen aus niedrigen Drehzahlen beantwortet er mit Klingeln, wenn er nicht mit Super Plus gefüttert wird. Die Kerzen fahre ich in diesem Motor gut und gerne 20.000 km.

Moderne Spezialkerzen mit dünnen Mittelelektroden aus Iridium oder Platin sind auf lange Lebensdauer, also lange Wechselintervalle gezüchtet. Sie halten locker 30.000 km, wenn nicht sogar weit länger. Am Mazda MX-5 meiner Frau drehte ich 13 Jahre nach dem Neuwagenkauf und beim Kilometerstand von 46.000 erstmals die Kerzen heraus. Fast traf mich der Schlag, als ich den Elektrodenabstand mit 1,3 mm maß. Sooo viel - Asche auf mein Haupt, da hätte ich doch viel eher schon die Kerzen wechseln müssen. Also wurden flugs neue bestellt, in Erstausrüsterqualität von NGK, sogar mit der Ford-Teilenummer drauf (der MX-5 hat einen Sechzehnventiler-Doppelnocker von Ford). Groß war das Erstaunen, als die neuen Kerzen ebenfalls einen Elektrodenabstand von 1,3 mm aufwiesen. Daraus ist zweierlei erkennbar:

1. Kerzen mit Iridium-Mittelelektrode ertragen sagenhafte Kilometerleistungen, ohne dass sich ihr Elektrodenabstand messbar vergrößert.

2. An Motoren mit direkt über den Kerzen positionierten Zündspulen ist die Hochspannungsleitung so kurz und damit so wenig überschlagsgefährdet, dass man sich einen doppelt so großen Elektrodenabstand und damit einhergehend eine viel höhere Zündspannung erlauben kann. Der Funke ist dadurch energiereicher und besser in der Lage, mageres Gemisch zu entzünden. Manche Fahrer moderner Motorräder mit Benzineinspritzung, die zum Konstantfahrruckeln neigen, meinen beobachtet zu haben, dass das Ruckeln durch die Verwendung von Iridiumkerzen verschwinde.


Zusammenfassung für Eilige:

Eine Wald-und-Wiesen-Zündkerze mit Kupfer-Mittelelektrode sollte im Isettamotor rund 10.000 km halten. Die Lebensdauer von Zündkerzen steigt, wenn der Motor mit bleifreiem Benzin betrieben wird.

Kerzen mit Iridium-Mittelelektrode halten viel länger, sind aber auch teurer.

Kerzen mit Iridium-Mittelelektrode scheinen an modernen Fahrzeugen geeignet zu sein, Magerruckeln zu vermeiden. Die Betonung liegt auf "modern", damit ist insbesondere eine direkt über der Kerze angeordnete Zündspule gemeint. In einer Isetta bleibt als Nutzen einer Iridiumkerze nur der langsamere Elektrodenabbrand und damit die längere Lebensdauer. Der Elektrodenabstand auch einer Iridiumkerze muss für den Betrieb in der Isetta auf 0,6 mm eingestellt werden, sonst wird die Zündspule überlastet.

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Re: (Berlin) Isetta startet nicht mehr

Beitrag von vonlinsenfeld » 7. Aug 2019, 21:24

Es war nicht die Zündkerze - sorry.
Motor startete nach langem "ge-orgel" - lief dann und solange ich gut auf Touren war, kein Problem.
Aber an der Kreuzung - Motor aus oder Standgas sehr hoch und dann aus, ... usw.
Der Übeltäter sah in etwa so aus
07.08.2019 0 (3).jpg
Bruch eines Drahtes der Schwimmernadel Feder.
da muß wohl die Vibration des 1-Zylinders den Schwimmer einmal nach oben geschoben haben - Motor ertrinkt in Benzin und
nach unten, da hat der Sprit wohl gefehlt.
Irritiert hat mich, dass der Motor manchmal super lief und dann wieder abstirbt und nicht mehr zu starten war.
Hoffentlich hält meine Lötarbeit
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Re: (Berlin) Isetta startet nicht mehr

Beitrag von 406coupe » 8. Aug 2019, 00:07

Hatte ich auch letztes Jahr. Bei mir ging allerdings der Motor aus und das ganze Benzin lief aus dem Schwimmertank oben raus.

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