Wo soll man welche Dichtungsmasse verwenden?

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Barkhoff
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Wo soll man welche Dichtungsmasse verwenden?

Beitrag von Barkhoff »

Hallo Isetta-Schrauber.
Wenn man über eine Oldtimer-Messe läuft, findet man die verschiedensten Dichtungsmassen angeboten. Alle versprechen regelrechte Wunder bei der Abdichtung. Andere werben damit, dass sich die Teile leicht wieder demontieren lassen. Hinzu kommen noch Eigenschaften wie hohe Temperaturbeständigkeit bis 350 Grad, Benzinbeständigkeit, aushärtend, schnell härtend, Sekunden-härtend.

Bei all diesen Angeboten habe ich die Übersicht verloren.

Mit welchen Produkten habt Ihr bei der Instandsetzung gute Erfahrungen gemacht und an welchen Stellen verwendet Ihr welche Produkte?

Es wäre nett, wenn Ihr mir Eure Erfahrungen mitteilt.

MfG
J.B.

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Ralf Heiligtag
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Re: Wo soll man welche Dichtungsmasse verwenden?

Beitrag von Ralf Heiligtag »

Diese Frage ist jetzt um zwei Wochen gealtert und dennoch ohne Antwort geblieben. Das lässt die Vermutung zu, dass das Thema vielleicht zu vielschichtig ist, um hier erörtert zu werden. Schade eigentlich, denn schon eine einzige Aussage über eine gute (oder eine schlechte) Erfahrung hätte geholfen und wäre besser als gar nichts gewesen.

In anderen Foren ist da mehr Betrieb. Das folgende Beispiel behandelt eine einzige Anwendung, nämlich die Abdichtung eines Feingewindes an einem Benzintank. Wie man sieht, gibt es – wie so oft - sehr unterschiedliche Meinungen dazu. Das soll veranschaulichen, dass es mit Empfehlungen ähnlich ist wie mit Uhl und Nachtigall.

Frage: An einem Tank habe ich eine abschraubbare Aufnahme (mit Feingewinde außen) für den Benzinhahn. Ich habe schon einiges versucht, sie dicht zu bekommen, Teflonband etc.
Immer noch minimal undicht. Gibt es was chemisches? Hat wer einen Tip?

Antwort 1: PTFE-Band ist ungünstig, da es sich mit der Zeit setzt und so über den abweisenden Gewindespalt sich trotzdem Benzin nach außen durchdrücken kann. Wenn der Tank ein Außenfeingewinde hat und der Hahn ein Innengewinde, dann könnte man doch einen schmalen Dichtring aus weichgeglühtem Kupfer versuchen. Ansonsten sollten Hylomar oder Dirko benzinbeständige Dichtmassen sein. O-Ringe aus Viton sollten auch funktionieren.

Rückmeldung des Fragestellers: Hylomar habe ich schon durch, hat leider auf Dauer nicht gehalten. Die Undichtigkeit ist nicht besonders groß, aber lästig. Dichtringe wären sehr speziell im Maß und daher schwer herzustellen, hab ich auch schon versucht. Wenn es einen guten benzinresistenten Kleber gibt, wird er sich irgendwann auch wieder lösen lassen? In die Loctite-Typenblätter habe ich schon geschaut, bin aber noch nicht wirklich schlauer. Hier gibt es ja viel gesammelte Erfahrung und daher hab ich mir ein Zaubermittel erhofft ...

Antwort 2: Loctite funktioniert tatsächlich auf Dauer und sichert gleichzeitig. Es muss eins mit minimaler Festigkeit sein, z.B. 222 , damit die Kraft zum Lösen nicht zu groß ist.

Rückmeldung des Fragestellers: Danke Jungs! Ein freundlicher Kollege hat mir auch gemailt, dass "LOCTITE Fügen Nabe Welle" gut klappt!

Antwort 3: Vorsicht, genau überlegen, wie stark das Loctite sein darf! Sonst braucht‘s einen Brenner, um später mal auseinanderschrauben zu können. Darum Loctite Type 222 als Vorschlag.

Antwort 4: Loctite „Fügen Welle Nabe“ würde ich lassen. Das bekommst du nur mit viel Wärme (ich glaube 180 °C) wieder getrennt. Das willst du doch nicht am Benzintank versuchen! Loctite 222 ist sehr mild. Das hatten wir an der Arbeit auch immer als einfache Schraubensicherung genommen. Das bekommt man mit leicht erhöhter Kraft wieder gelöst. Nur schau mal im Datenblatt nach, welche Resistenzen es hat. Bei Loctite sind diese teilweise auch zeitlich beschränkt.
Antwort 5: Loctite 541 ist ein Gewindedichtmittel und es lässt sich auch relativ leicht wieder lösen. Nehme ich in solchen Fällen immer. Steht bei mir rum, kannst zwei oder drei Tropfen von mir haben.
Dirko ist für deinen Zweck auch zu gebrauchen.

Antwort 6: Das Folgende passt vielleicht nicht zu 100%, aber ich habe jetzt endlich mal Omnivisc, an meiner xyz als Dichtmittel für die Ölwanne eingesetzt. Das geht super.

Antwort 7: Von Silikondichtmassen rate ich bei benzinführenden Bauteilen ab. Wir verwenden Benzin zum Reinigen von Silikondosierern, und das sicher nicht, weil Silikon dem Benzin so gut standhält.

Antwort 8: Hier möchte ich widersprechen, das Datenblatt und die Erfahrung sagt was anderes:
Ist nach vollständiger Aushärtung chemisch gut beständig, z. B. gegen Wasser, schwache Säuren und Laugen, Kraft- und Schmierstoffe, Inert- und Brenngase, Sauerstoff ...

Antwort 9: Es gibt spezielles Gewindedichtmittel, z.B. von Würth. Verwende ich zusätzlich zum Dichtring.

Antwort 10: Der Installateur nimmt bei Wasserleitungen Hanf, vielleicht geht das bei Benzin auch. Hanf quillt auf, wenn er nass wird, dichtet dadurch sehr gut ab und geht auch auf jeden Fall wieder auf.

Antwort 11: Benzin ist zwar nicht nass, falls man diese Eigenschaft nur dem Wasser zuschreibt,
deshalb wird der Hanf auch nicht quellen, aber abdichten wird er an dieser Stelle schon.

Antwort 12: Ich nehm Loctite Flüssig, hält und ist benzin- und ölfest.

Antwort 13: Dirko grau ist das Wahl der Mittel, wenn es entsprechend eingesetzt wird. Man bekommt sämtliche Verschraubungen ohne Probleme wieder los. Hat mir schon oft bei Notreparaturen geholfen. Selbst einen Riss im Tank habe ich damit abgedichtet und bin sogar noch Jahre damit gefahren. Ich setze mittlerweile alle kritischen Gewinde mit Dirko grau ein. Egal, ob Benzinhähne oder Ölstopfen. Überall, wo ein Dichtring Probleme bereitet oder es neben der Verschraubung suppt, was bei den alten Tanks durch Vibrationsrisse ja öfter mal vorkommen kann.
Ist übrigens eine Silikondichtmasse.

Antwort 14: Omnivisc 1050 - Nachtrag. Das Zeug ist vollkommen transparent, man sieht so gut wie nichts davon, weder da, wo man es haben will, noch da, wo sich vielleicht mal ein Tröpfchen ungewollt niedergelassen hat.

Antwort 15: Nur mit dem Unterschied, dass Visc1050 https://www.klebstoffbank.de/omnivisc-1 ... htung.html mit dem gleichen Effekt wie K2 http://www.ebay.de/itm/Hochtemperatur-S ... 6345292882 das 10-fache kostet.

Antwort 16: Offengestanden bin ich kein Freund von silikonbasierten Dichtmitteln - mit Ausnahmen. An manchen Stellen kann das problematisch werden, wenn überschüssiges Silikon als Batzen im Motor oder Vergaser an eine kritische Stelle kommen kann. Möchte ich nicht an einem Flugzeug haben. Anaerobe Dichtmittel wie typische Loctites reagieren nur im Klebespalt und bleiben außerhalb flüssig, sollten nichts anstellen können. Nur zu bedenken.

Antwort 16: Fehler von mir. Ich meine Teflon flüssig von Loctite. Muss 48 h aushärten, ist dafür aber dicht.


So. Und was nehmen wir jetzt?

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Martin Seier
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Re: Wo soll man welche Dichtungsmasse verwenden?

Beitrag von Martin Seier »

Ralf Heiligtag hat geschrieben:
17. Feb 2020, 16:51
Diese Frage ist jetzt um zwei Wochen gealtert und dennoch ohne Antwort geblieben. [...]
In anderen Foren ist da mehr Betrieb.
Ja ... Woran liegts? Habt ihr Vorschläge, wie man das verbessern könnte? Das im Isetta Forum wenig Betrieb herrscht, ist schon seit Gründung des Forums 2004 der Fall. Ich bin da ein wenig ratlos ...

Klar, man könnte ein anderes Forum installieren, welches leichter(?) in der Bedienung ist ... Dann wären aber alle bisherigen Beiträge verloren und mit ihnen die Hilfestellung.
Leiter elektronische Medien Isetta Club e.V.

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Barkhoff
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Re: Wo soll man welche Dichtungsmasse verwenden?

Beitrag von Barkhoff »

Hallo Martin,
es liegt mit Sicherheit nicht an der Art des Forums -- sondern an uns Mitglieder die lieber lesen als schreiben.

MfG
J.B.

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Thomas M.
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Re: Wo soll man welche Dichtungsmasse verwenden?

Beitrag von Thomas M. »

Hallo Martin,

was soll den noch einfacher werden? So wie der Aufbau ist, ist es doch Ok. Ecken und Kanten gibst immer, so sind die Isettafahrer eben. 😉
Aber Du hast Recht, wenn es insbesondere den Ralf und andere Ratgeber nicht geben würde, würde mein Fahrzeug immer noch mit einem Elektrofehler in der Garage stehen.
Ergo schaue ich Jedenfalls hier und da mal rein und beantworte gerne Fragen zu denen ich helfen kann. Viele spezielle Themen kann auch ich nicht wissen, jedoch konnte ich schon einiges aufnehmen und umsetzen.
Dies sollte jeder machen bzw. Sich wenigstens mal bemühen, nur so kann ein Forum existieren und leben. Na dann....
Gruß Thomas

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