Isetta bremst nur mit vorderen Backen

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frahoo
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Isetta bremst nur mit vorderen Backen

Beitrag von frahoo » 4. Sep 2019, 10:38

Hallo zusammen, bei meiner Isetta lösen beiden Radbremsyzylinder der Vorderräder nur die vorderen Kolben aus, so dass nur die vorderen Bremsbeläge betätigt werden. Kann mir bitte jemand einen Tipp zur Problemlösung geben? Mit Dank vom Frank

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fossibaer
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Re: Isetta bremst nur mit vorderen Backen

Beitrag von fossibaer » 4. Sep 2019, 11:13

Einen wunderschönen...
hast du den Bremszylinder hinten schon ordentlich entlüftet?....kommt Bremsflüssigkeit blasenfrei?
und nicht vergessen den Hauptbremszylinder immer wieder entsprechend aufzufüllen.
Falls das schon erledigt ist, die Gängigkeit des Radbremszylinders hinten überprüfen - lassen sich die
beiden Kolben leicht bewegen?
Berichte mal was du schon geprüft hast, dann kommen wir bestimmt weiter ;-)

Viel Erfolg!

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Re: Isetta bremst nur mit vorderen Backen

Beitrag von 406coupe » 4. Sep 2019, 17:12

fossibaer hat geschrieben:
4. Sep 2019, 11:13
Einen wunderschönen...
hast du den Bremszylinder hinten schon ordentlich entlüftet?....kommt Bremsflüssigkeit blasenfrei?
und nicht vergessen den Hauptbremszylinder immer wieder entsprechend aufzufüllen.
Falls das schon erledigt ist, die Gängigkeit des Radbremszylinders hinten überprüfen - lassen sich die
beiden Kolben leicht bewegen?
Berichte mal was du schon geprüft hast, dann kommen wir bestimmt weiter ;-)

Viel Erfolg!
Ich glaube, das Problem ist ein anderes. So wie ich es verstehe, fährt bei den VORDEREN Radbremszylindern nur jeweils eine kolbenhälfte aus, bzw. Es wird pro Trommel nur einer statt beide Beläge betätigt... Komisch.

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Ralf Heiligtag
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Re: Isetta bremst nur mit vorderen Backen

Beitrag von Ralf Heiligtag » 4. Sep 2019, 18:32

Da ist höchstwahrscheinlich einer der beiden Kolben festkorrodiert. Abhilfe: Radbremszylinder ausbauen, zerlegen, beide Kolben reinigen, Bohrung im Zylinder ebenfalls reinigen, auf Rostspuren untersuchen, gegebenenfalls vorsichtig durchhonen.

Hier ein Beispiel, wie so etwas aussieht. Das Fotomodell Ist zwar ein hinterer (12,7 mm)-Bremszylinder, aber das Prinzip ist dasselbe. Zuerst im ungereinigten Zustand, hübsch hässlich, mit anhaftenden Rostablagerungen:
20190806_151953.jpg
Die beiden Kolben putzt man am besten zuerst mit einem spiritusgetränkten Lappen, danach mit Chromputzpaste. Niemals mit Schleifpapier auf die Kolben losgehen! Und gut achtgeben, dass die Gummimanschetten bei der Putzprozedur nicht verletzt werden. Danach sehen die Kölbchen wieder sauber aus:
20190806_154212.jpg
Der Rost entstand im gusseisernen Bremszylinder. Die Zylinderbohrung muss darum genau untersucht werden, ob sie noch zu retten ist. Zu diesem Zweck muss zunächst der Rost von ihrer Oberfläche möglichst schonend entfernt werden, um danach erkennen zu können, ob Rostnarben bleiben.

Als Schleif- und Polierdorn nimmt man ein Messingrohr, das längs geschlitzt wird, so dass im Schlitz ein Stück Polierleinen eingeklemmt werden kann. Der Durchmesser des Messingrohrs soll etwa 3 bis 4 mm kleiner sein als die Zylinderbohrung. Drehzahl max. 1000 / min.
Polierleinen / Schleifpapier mit Körnung 600, danach 800 bis 1000. Anstelle eines Messingrohrs kann man auch einen Holzdorn benutzen. Die Drehrichtung wird natürlich so gewählt, dass das Schleifpapier sich straffzieht und sich nicht abwickelt.
BILD0845.JPG
Beim Schleif- und Poliervorgang bewegt man den Zylinder auf dem Schleifdorn langsam axial hin und her, und zwar derart, dass der Materialabtrag möglichst rundum gleichmäßig ist, so dass die Bohrung rund und zylindrisch bleibt.
BILD0847.JPG
Die Oberfläche in der Zylinderbohrung muss anschließend tadellos glatt sein. Der Durchmesser der Bohrung darf durch das Nachhonen nur maximal 0,1 mm größer werden als das Nennmaß. Die vorderen Radbremszylinder haben einen Nenn-Innendurchmesser von 11/16 Zoll = 17,46 mm. Durch das Nachhonen darf also der Innendurchmesser maximal 17,46 mm + 0,1 mm = 17,56 mm groß werden. Um ein Hundertstel Millimeter zu messen, genügt ein Digital-Meßschieber nicht, man braucht einen anzeigenden Messdorn mit einem Kalibrierring als Einstellnormal.

Der hintere Radbremszylinder hat ein Nennmaß von ½ Zoll = 12,7 mm. Dort darf also bis maximal 12,8 mm nachgearbeitet werden. An Isetten ab Baujahr 1960 traf man früher etwas größere hintere Radbremszylinder mit dem Nennmaß 9/16“ = 14,29 mm an, die heute nicht mehr erhältlich sind. Dort beträgt der maximal zulässige Durchmesser also 14,39 mm.

Für sämtliche Radbremszylinder aller Durchmesser gilt: Wenn es nicht möglich ist, die Rostnarben herauszuschleifen, ohne das zulässige Größtmaß zu überschreiten, ist der Zylinder unweigerlich schrottreif. Komme bitte keiner mit dem "ja, aber"-Argument, man könne hoffnungslos verschlissene Bremszylinder doch ausbuchsen - so etwas macht man nur im Krieg, wenn es nichts besseres gibt.
BILD0811.JPG
Hier die Reparaturanleitung des Bremszylinderfabrikanten Ate:
Seite 1.jpg
Seite 2.jpg
Vor dem Zusammenbau salbt man Kolben und Manschette mit Ate-Bremszylinderpaste ein.

Wer nicht ganz sicher ist, diese etwas diffizile und im Misserfolgsfall lebensbedrohliche Arbeit richtig ausführen zu können, kauft besser neue Bremszylinder.
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Re: Isetta bremst nur mit vorderen Backen

Beitrag von Gosbert » 4. Sep 2019, 22:39

Hallo
Was mich als Kfz Meiter immer wieder wundert, sind solche Fragen wie bei dem Thema Bremsen.
Wenn ein bestimmtes Grundwissen bei solchen lebenswichtigen Reparaturen fehlt, wunderte es mich jedesmal wie
leichtfertig man mit der Sicherheit der Bremse umgeht.
Auch wenn die Isetta nur ein kleines Auto ist sollten die Bremsen nur von Personen gewartet werden die ein fundiertes
Wissen für solche Reparaturen haben. Zur eigenen und auch zur Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer!
Auch die sehr detailliert Ausführung von Ralf macht aus dem Laien noch keinen Fachmann, denn dazu gehört noch etwas
mehr, auch ein geübtes Auge für den richtigen Blick der Fehlererkennung.
Der Laie staunt und der Fachmann Wunder sich!!
Mit freundlichen Grüßen,
Gosbert

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Re: Isetta bremst nur mit vorderen Backen

Beitrag von Roland » 14. Sep 2019, 17:28

Hallo,
ich will hier nicht der Schlaumeier sein, jedoch hat Gosbert völlig recht.
Die Isetta hat ein Einkreis-Bremssystem, hat zwei Bremszylinder vorne und einen hinten.
Ich glaube wenn solche beschriebenen Probleme an den Bremszylindern vorliegen, sollte ein Laie: - 3 neue Zylinder kaufen, alles passt und bremst.
80 km/h ist keine Schrittgeschwindigkeit.

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