Lenkwelle

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Ralf Heiligtag
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Lenkwelle

Beitrag von Ralf Heiligtag »

Zu den beobachteten Brüchen an Lenkstockhebeln und nachgefertigten Lenkwellen, die lebensbedrohlich sein können, gab es Beiträge in den Journalen 3/2019 und 1/2020. Im beigefügten PDF ist eine Ergänzung dazu.
Lenkwelle regenerieren.pdf
Mit freundlichen Grüßen

RH
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Gosbert
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Re: Lenkwelle

Beitrag von Gosbert »

Hallo Ralf
Wer kann mir versichern dass die alten Lenkellen noch schon einen Schaden im Gefüge haben weil die Isetta schon ein paar mal über einen hohen Bordstein gefahren wurde und somit schon einen Schaden bekommen hat. Es gibt viele Lenkwellen dessen Verzahnung sichtbar verdreht sind. Das kommt bestimmt nicht nur vom lenken!
Ich würde empfehlen bei einer Restauration auf jeden Fall immer eine neue Lenkwelle einzubauen. Wer kennt schon die Vergangenheit seiner Isetta! Lenkwellen brechen meistens dann wenn sie eine Vorschaden haben, Bordsreinknaller!!
Das es Qualitativ schlechte Lenkwellen gegeben hat vor ca. über 25 Jahren ist ja bekannt und sind auch optisch leicht zuerkennen. Auch Die Firme OSM hatte diese oder ähnlich schlechte damals im Programm. Aber diese Firma gibt es schon lange nicht mehr. Die Lenkwellen die heute bei den Händlern angeboten wurden sind von ausgezeichneter Qualität und haben noch keinen Bordsteinknaller oder Unfall erlebt.
Mit freundlichen Grüßen,
Gosbert

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Ralf Heiligtag
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Re: Lenkwelle

Beitrag von Ralf Heiligtag »

Guten Morgen Gosbert,

garantieren, dass Altteile unbeschädigt sind, kann selbstverständlich niemand. Eine gebrauchte Lenkwelle, deren Verzahnung bereits in sich verdreht ist, eignet sich nicht zur Weiterverwendung und auch nicht zur Aufarbeitung. Deshalb habe ich ja geschrieben: "an den Lagersitzen verschlissene, an den Verzahnungen aber einwandfreie Originalteile".

Aber auch ein heute eingebautes Neuteil (nehmen wir an, es sei absolut fehlerfrei gefertigt worden) kann schon morgen bei der allerersten Ausfahrt den von dir beschriebenen Knacks durch den Bordsteinknaller erleiden - wenn der Fahrer sich nur blöd genug anstellt. Wird dieses Fahrzeug später verkauft, müsste der Erwerber aus purer Vorsicht eine neue Lenkwelle einbauen. Das wird er kaum tun. Woher soll er es wissen?

Ich bezweifle sehr, dass etwas, was sich vor 25 oder mehr Jahren auf dem Ersatzteilmarkt zugetragen hat, heute jedem Isettafahrer bekannt ist. Auch wenn viele Isettaliebhaber ihre Fahrzeuge lange behalten, kommt es immer wieder zu Eigentümerwechseln, sei es durch Todesfälle, durch Umstieg auf ein anderes Fahrzeug oder durch Hobbyaufgabe. Wir sehen es an diesem Forum, wo sich immer wieder neue Leute anmelden. Darum dürfen wir keineswegs voraussetzen, dass Neulingen sämtliche Gemeinheiten fehlerhafter Ersatzteile bekannt sind. Vor einem Schaden, der so tückisch und folgenschwer sein kann wie eine versagende Lenkung, kann man nicht genug warnen.

Selbstverständlich hat jeder die Freiheit, persönlich für sich zu entscheiden, was er tut und lässt. Beim Erwerb eines nachgefertigten Neuteils ist der Käufer darauf angewiesen, dem Verkäufer zu glauben, was der beteuert. Prüfen kann er es so gut wie gar nicht.

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Barkhoff
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Re: Lenkwelle

Beitrag von Barkhoff »

Hallo Fachleute.

Da die Überarbeitung einer Lenkwelle teurer sein wird als eine nachgefertigte Lenkwelle sollte man vor Beginn der Aufarbeitung die Kosten für eine Rissprüfung (Fluxen) nicht scheuen. Diese Prüfung ist sehr aussagekräftig und auch für die Beurteilung der Sicherheit von Hebezeugen vorgeschrieben. Nach meiner Meinung ist die Zusicherung einiger Händler für die Neuteile (auf HRC Härte geprüft) nicht ausreichend für die Welle. Eine HRC Prüfung bezieht sich nur punktuell auf die Oberflächenqualität/-härte.

MfG
J.B.

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getec
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Re: Lenkwelle

Beitrag von getec »

Guten Abend,

Die ganze Geschichte beunruhigt einigermassen. Ich stelle überhaupt nichts ungewöhnliches fest.
Ist es aber möglich, die drei betroffenen Teile 3/104; 3/105; 3/106 auszubauen und durch NDT prüfen zu lassen und falls als gut befunden wieder einzubauen.

Falls ja, welches NDT Verfahren würde man wählen?
Untraschall, Röntgen, Maganflux?

Oder soll man einfach alle drei durch Neuteile ersetzen? Gibt es überhaupt Neuteile oder nur ausgebaute...?

Gruss aus der Schweiz
Christian Gerber
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CH 4415 Lausen
ge.tec@sunrise.ch
+41 79 652 86 04

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Ralf Heiligtag
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Re: Lenkwelle

Beitrag von Ralf Heiligtag »

Ist es möglich, die drei betroffenen Teile 3/104; 3/105; 3/106 auszubauen und durch NDT prüfen zu lassen und falls als gut befunden wieder einzubauen?
Wer es genau und ganz sicher wissen will, kann und sollte das tun.

Für Leser, vor deren geistigem Auge bei der Nennung einer Teilenummer nicht automatisch ein Bild erscheint:
Zeichnung aus Ersatzteilliste.jpg
Falls ja, welches NDT Verfahren würde man wählen?
Jann Barkhoff hat schon das Geeignete genannt: Die Magnetpulverprüfung, umgangssprachlich "Fluxen".
https://de.wikipedia.org/wiki/Magnetpulverpr%C3%BCfung

Für Leser, die Abkürzungen mit drei Buchstaben ungern auswendig lernen: NDT steht hier für non-destructive testing = zerstörungsfreie Werkstoffprüfung.

(Sonst auch für
Nederlands Dans Theater, eine niederländische Tanzkompanie,
Nephrology Dialysis Transplantation, eine wissenschaftliche Fachzeitschrift auf dem Gebiet der Nephrologie,
Neue Deutsche Todeskunst, eine deutschsprachige Musikströmung im Gothic- und Dark-Wave-Umfeld,
Newfoundland Daylight Time, die Sommerzeit der Newfoundland Standard Time.)

Die Fa. Magnaflux schreibt auf ihrer Website https://magnaflux.eu/de/Produkte/Magnetpulverprufung dies:
Die Magnetpulverprüfung (MT) ist eine zerstörungsfreie Prüfmethode zur Identifizierung von Fehlern, die primär linear sind und sich auf der Oberfläche oder nahe der Oberfläche von ferromagnetischen Komponenten und Strukturen befinden. Ferromagnetische Werkstoffe wie Eisen, Nickel und Kobalt sind stark magnetisch und können leicht magnetisiert werden.
Diese Prüfmethode basiert auf der Annahme, dass der magnetische Fluss in einem magnetisierten Objekt durch die Präsenz eines Fehlers lokal verzerrt wird. Diese Verzerrung führt dazu, dass der magnetische Fluss im Testobjekt an der Fehlerstelle ausstreut. Dieses Phänomen wird magnetischer Streufluss genannt. Der Streufluss zieht die hinzugefügten Magnetpartikeln an und sie liefern eine sichtbare Indikation des Fehlers.
Die Magnetpulverprodukte von Magnaflux helfen Ihnen dabei, einen harmlosen Kratzer von einem gefährlichen Riss zu unterscheiden. Die Magnetpulverprüfung wird zur Identifizierung von Fehlern verwendet, die sich an der Oberfläche bzw. nahe der Oberfläche von ferromagnetischen Werkstoffen befinden. Die Magnetpartikeln versammeln sich um den Fehler herum, so dass er leicht zu lokalisieren und zu beheben ist.
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Gosbert
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Re: Lenkwelle

Beitrag von Gosbert »

Hallo
Ich denke das Problem der Nachgefertigeten Lenkwellen war einmal eine Ausführung die mit einem Einstich und einem O-Ring gegen Staub und Schmutz geschützt werden sollte.
Die hatte das Problem dass sie abgeschehrt ist. Also Lenkwellenbruch.
Diese kann man gut erkennen da diese Welle einen Einstich hinter der Verzahnung hat.
Die 2. schlechte Welle die es gibt ist die wie sie Ralf Ketter in seiner Isetta hatte. Nur ist da NICHT die Welle gebrochen sondern der Lenkhebel ist da gebrochen. Dieser Fehler ist aber darauf zurück zuführen dass die Verzahnung im Durchmesser zu klein gemacht wurde. Und so beim festziehen der Lenkhebel gebrochen ist. Auch diese ist selbst für den Laien leicht zu erkennen wenn man sie in der Hand hat erkennt man dass die Wellendurchmesse im Verzahnungsberei kleiner ist. Also keine 20mm beträgt.
Die Lenkwellen die derzeit bei Händlern angebotenwerden, haben weder eine Nut für eine O-Ring und sind auch im Durchmesser im Verzahnungsbereich 20mm stark.
Das Problem sehe ich nicht an den Wellen die es Heute gibt, sondern an denen die vor ca. 20 Jahren und noch vorher verkauft wurden. Leider kenne nur den Hersteller oder damaligen Verkäufer der Welle mit dem O-Ring.
Die Wellen vom Isetta-Club vor 20 Jahre; die Henner verkaufte waren im Durchmesser immer gleich und nicht im Verzahnungsbereich abgesetzt. Von dieser Ausführung habe einige eingebaut und kann mich gut erinnern dass die Verzahnung sehr stramm gepasst hat.
Wer sicher gehen möchte, baut seine Welle aus und schaut nach ob O-Ring oder kleiner Durchmesser im Verzahnungsbereich an seiner Welle zu erkennen ist. Denn das sind die Wellen die Probleme machen oder gemacht haben.
Mit freundlichen Grüßen,
Gosbert

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isettawin
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Re: Lenkwelle

Beitrag von isettawin »

Das zweite Exponat des Gruselkabinetts sieht man auf dem Foto...
... und ich hänge auch an meinem Leben, insbesondere nach der spannenden Erfahrung mit der Lenkwelle... Nach der Logik, jetzt eine alte Originalwelle aufarbeiten zu lassen, müsste ich jetzt vor (und während?) der Fahrt alle vier Radkappen abnehmen und prüfen, ob auch dort ein Bruch aufgetreten sein könnte... (Geteilte Felgen sind natürlich auch eine Alternative.) Sicher gibt es noch an ganz anderen Stellen extrem sicherheitsrelevante Teile, die unbemerkte Schäden aufweisen können... Auch unsere Fronttüren mit der Knautschzone, die eigentlich unsere Nasenlänge stellt, sind lebensgefährlich!

Ich finde, hier geht es darum, sinnvolle Möglichkeiten auszuschöpfen, die Teile vor dem Einbau möglichst gut zu überprüfen. Für mich reicht, was die Lenkwelle betrifft, diese bei einem Händler meines Vertrauens (G. aus G.) gekauft zu haben und zu sehen, dass der gute sichtgeprüfte gebrauchte Lenkhebel (auch von G. aus G.) diese dicht umschließt, ohne die Schraube überfest anziehen zu müssen. Dann fahre ich jetzt entspannt und glücklich durch den Schwarzwald - jedoch immer im Bewusstsein, dass mir ein unvorsichtiger SUV auf meiner Fahrspur entgegenkommen könnte, dass ich ein Rad verliere oder mein Lenkhebel wieder bricht. Die Wahrscheinlichkeit für das erste der drei Szenarien halte ich für unvergleichlich viel höher...

Aber wie schon gesagt wurde... das mag jeder für sein Fahrzeug entscheiden... allseits gute unfallfreie Fahrt und Gruß aus Freiburg
klaus
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